Es gibt sehr viele Theorien, wie und warum Fastnacht (auch Fasnet, Fasching, im entfernten Sinne auch Maskenball oder Maskerade genannt) als ein wiederkehrendes, dennoch mit unterschiedlichen länderspezifischen Inhalten und Zeiten, festgelegtes Jahresereignis begangen wird bzw. wurde.
Das Wort Fastnacht, so in einem 1913 erschienenen Buch von G. Anrich, „Der heilige Nikolaus in der griechischen Kirche“, soll vom Bischof von Myra (ca. 350 n. d. Z.) begründet worden sein. Diese Aussage – wie die meisten der christlich-ideologisierten Chronisten – sollte mit Vorsicht betrachtet werden, denn die Römer banden in die Saturnalien (Feierlichkeiten zu Ehren des Gottes Saturn) fastnachtsspezifische Handlungen ein, z. B. die Umkehrung von Werten: Die Sklaven wurden von ihren Herren bedient, die Niederen symbolisch zu Herrschern gekrönt.
Heute erscheinen uns die Fastnachtstage als ein Spektakel des „gezügelten Ausbruchs“ aus den Zwängen der Moderne und dessen den Geist und den Willen steuernden Einschränkungen, die in Ausgelassenheit und Narretei und dem oftmals Fallenlassen aller zivilisatorischen Schranken zum Ausdruck kommen: Eine Art in einen Zeitabschnitt gepresste verkümmerte Commedia dell’Arte (ursp. humoristisches Volkstheater) in abgestuften Erscheinungsformen, die einen durch politisch-ideologische Einflüsse festgesetzten Rahmen definiert: Das gemeine Narrenvolk darf ausgelassen sein, auch wollüstig, auch taktieren im „dezidierten“ Spott und Hohn der Büttenreden gegenüber der mitsingenden und schunkelnden Obrigkeit – und alle vereint der Rausch der Narretei.
Heute erscheinen uns die Fastnachtstage als ein Spektakel des „gezügelten Ausbruchs“ aus den Zwängen der Moderne und dessen den Geist und den Willen steuernden Einschränkungen, die in Ausgelassenheit und Narretei und dem oftmals Fallenlassen aller zivilisatorischen Schranken zum Ausdruck kommen

Dass im Wort Fastnacht das Fasten steckt, ist heute den meisten Fastnachtstreibenden unbekannt oder sie ignorieren dieses Faktum. Die mögliche Entstehung dieses Brauchs steht im Kontext mit dem Ende der Weihnachtsfeierlichkeiten, weshalb die Fastnachtszeit noch im 19. Jahrhundert zwischen dem 26. Dezember und dem Dreikönigstag datiert wurde – danach wurde gefastet.
Am Ende der Weihnachtszeit begegnet uns wieder das ominöse Feuerrad (das Rad als Abbild der Sonne), das mit trocknem Stroh umwickelt und gebunden auf der Anhöhe entzündet wurde, auf dass das den Berg hinunterrollende brennende Rad die Fastnachtsfunken schlagen, die die Geister und Dämonen der Winterzeit vertreiben und die des Wachstums und Gedeihens (Frühlingszeit) herbeirufen sollten. Lärm und Maskerade trugen das ihrige zum Gelingen des Feuerrad-Rituals bei.
Setzen wir die traditionellen ritualgeprägten und heutigen Fastnachtsaktivitäten mit einem sich Verkleiden und dem Schlüpfen in die Identität einer anderen Person – oder eines Tieres – in Verbindung, sind wir nahe am Sinn der Fastnacht angelangt, denn: Das sich Verkleiden und Maskieren, so wie es das aus traditionell-spirituell verknüpften Ritualen entstandene Verkleidungs- und Identitätswechsel-Ritual beinhaltete, nicht mit dem heutigen Fastnachtstreiben identisch ist, erinnert an die rituellen Handlungen der Schamanen, Medizinmännern, Magier, Hexen, Jäger, Krieger usw., die eine die rituelle Handlung unterstützende Kleidung trugen, wozu mitunter das Tragen von Masken gehörte.
Fastnacht – Der spirituelle Sinn
In den Altvorderenzeiten, als die Völker noch bestrebt waren, mit der Schöpfung in einen direkten bzw. stetigen Kontakt zu treten, um u. a. für den Wandel der Jahreszeiten, damit verbunden für ertragreiche Jagden und Ernten oder um Schutz für den Stamm oder die Sippe zu bitten, führten die spirituellsten Glieder der Volks- oder Sippengesellschaft spirituelle Rituale durch, um der Bitte ein Mehr an Ausdruck und Verwirklichungskraft zu verleihen: Der Schamane, Medizinmann oder Priester kleidete sich in seine Vorstellung des Gottes, den er anzusprechen suchte: Die Anrufung des Sonnengottes erfolgte in einer Maske aus Gold, die des Gottes der Jagd in einem Hirschkopf, die von Stammeskriegern getragenen Masken, Körper- und Gesichtszeichnungen den Kriegsgott, andere furcht einflößenden Masken den Dämonen vertreibenden Gott usw. Noch heute werden in einigen Gebieten Europas (u. a. Baseler Fastnacht oder in Teilen Schwabens und Bayerns etc.) in der Fastnachtszeit dämonische Masken oder Tiermasken benutzt, weniger um Dämonen des Winters auszutreiben, sondern just for fun.

Viele der rituellen Anrufungen werden heute noch wirksam vollzogen und finden hauptsächlich in den traditionell arbeitenden und lebenden indigenen Strukturen statt. Diese Rituale haben einen weltumfassenden Einfluss und Widerhall und sind in der Lage, die auf Mensch und Natur negativ einwirkenden Energiefelder der modernen Welt in Schach zu halten oder zu neutralisieren.
Das Maskieren, das rituelle Annehmen des physischen als auch des Charakters einer anderen Person, eines Tieres oder einer dämonischen oder teuflischen Wesenheit, war seit dem Anbeginn der Zeit Ausdruck einer Kommunikation mit höheren, den spirituellen Ebenen zugeordneten Elementen.
Viele der vorgenannten rituellen Anrufungen werden heute noch wirksam vollzogen und finden hauptsächlich in den traditionell arbeitenden und lebenden indigenen Strukturen statt. Diese Rituale haben einen weltumfassenden Einfluss und Widerhall und sind in der Lage, die auf Mensch und Natur negativ einwirkenden Energiefelder der modernen Welt in Schach zu halten oder zu neutralisieren. Dies mag einer der Gründe sein, warum die Moderne stets versucht, traditionelle Werte (Rituale) auszumerzen.
In der heutigen Zeit, außerhalb der noch traditionell-geprägten Gesellschaftsstrukturen, spielen in der modernen materiell strukturierten Welt die alten Rituale kaum noch eine Rolle oder sind nur noch ein visuelles oder verbales Spektakel der im Wesentlichen missverstandenen oder unverstandenen Anrufungen höherer Mächte zu bestimmten Zwecken.
Waren in der traditionell strukturierten Welt im Wesentlichen die Schamanen, Priester, weisen Frauen oder Medizinmänner die Träger des Rituals und der Masken, sind sie heutzutage Ausdruck eines ausgelassenen kindisch-närrischen Verhaltens, das in der modernen Fastnachtskonzeption den Freiraum schafft, für einige Tage der materiell durchorganisierten Welt zu entfliehen. Vergessen ist, dass die heute im Fasching zum Ausdruck kommende Narretei eine Umkehrung eines einstmals in Ernsthaftigkeit durchgeführten Rituals darstellte, um daraus einen spirituellen Nutzen oder Schutz für die Sippe zu ziehen.
Dennoch ist – gerade in der heutigen Zeit – die nicht nur zur Fastnachtszeit vollzogene Maskerade ein sichtbares Abbild des menschlichen Wesens, wenngleich diese als Flucht aus der Realität definiert werden kann. Die Maske zeigt die Person, die sie sein möchte, oder zeigt den unterdrückten Aspekt dessen, was sie sein könnte.
Entreiße den Menschen die Maske, dann sind sie nackt!

Ferner geben Maskeraden (auch die ohne Masken!) Macht über andere Personen- oder Gruppen und transportieren das mit der Macht verbundene Gefühl, etwas Besonderes (der Elite zugehörig) zu sein: Betrachte den ‚Richter‘ in seiner schwarzen (dunkle Energie ausdrückenden) oder roten (dämonischen) Maskerade, die im Fülle lebenden Bischöfe in ihren südhaftteuren purpurnen Mänteln gekleidet, den Polizisten oder Soldaten in seiner ihn als Person aufwertenden Uniform, den Politikern im Reich der Dienstwagen, „Diäten“ und sonstigen Privilegien, den Werkmeister im blauen Kittel in seinem kleinen Büro an der Werkbankstraße, den in fescher Kleidung Ausstaffierten in seinem schicken Büro oder die in den Büros und Amtsstuben nach Anerkennung heischenden Individuen in den ‚gehobenen‘ Klamotten von der Stange – entreißt ihnen die Masken, dann sind sie nackt.
Die Moderne, eigens um ihrer Existenz willen, korrumpiert die in den Menschen angelegten spirituellen Erinnerungen und Wahrnehmungen, die an die Verbindung des Menschen mit den an die Völker der Erde gestellten Forderung, die spirituellen Grundsätze und Handlungsweisen zu erkennen, um sie Wohle der Menschheit zu gestalten und zu leben.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei, sagt man, und vergisst dabei, dass traditionell an diesem Mittwoch die kurz vor der Fastnacht gefertigten Fastnachtspuppen verbrannt oder vergraben wurden, was das symbolische Abnehmen und Vernichten der während der Faschingszeit aufgesetzten Maske bedeutete und die Rückkehr in das Ich sicherte.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, sagt man, und vergisst dabei, dass traditionell an diesem Mittwoch die kurz vor der Fastnacht gefertigten Fastnachtspuppen verbrannt oder vergraben wurden.
Dadurch, dass dieses Ritual im ursprünglichen Sinne keinen Widerhall mehr findet oder nur noch einen lustig anzusehenden Restalkohol getränkten Abklatsch des Rituals darstellt. So wundert es nicht, dass mitunter die angenommenen Masken und Personifizierungen (auch die außerhalb der Faschingszeit aufgesetzten und angenommenen) mit dem Ich, das es einstmals war, ihr Unwesen treiben und Verwirrungen und Irrungen erzeugen, was die Orientierung und die Erkenntnisse auf dem Lebensweg erheblich einschränken und den Zugang zur Spiritualität versperren.
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