Vorbemerkung
In diesem Blog-Artikel möchten wir, passend zur Zeit, etwas Licht in das Dunkel der Weihnachtsentstehung bringen und weisen vorsorglich darauf hin, dass, bedingt durch das Format des Blogs, nur einige Aspekte des Themas wiedergegeben bzw. angerissen werden können.
Einleitung
Um das die Menschen polarisierende Weihnachtsfest auf seine Herkunft zu untersuchen, bedarf es des Studiums alter, auf Volkswissen gegründeter Quellen, die in Dokumenten und Büchern verborgen, wieder entdeckt werden möchten. Je tiefer der Leser in die Materie der vorchristlichen Weihnachtsentstehung hineingezogen wird, umso klarer wird ihm, dass das Geschilderte oftmals mit den christlichen Weihnachtsmythen unvereinbar ist. Die Christen, so erfahren wir, okkupierten und veränderten zur Durchsetzung und Festschreibung des Weihnachts- bzw. Jesus-Geburtsmythos die verachteten heidnischen Weltbilder und die zu deren Aufrechterhaltung verbundenen und praktizierten Rituale.
Weihnachten zwischen Tradition und Moderne
Kein religiöses Fest der westlichen Welt zieht die Menschen mehr in seinen Bann, oder erfährt eine kompromisslosere Ablehnung als das Weihnachtsfest. Gleich ob man mit einer christlichen oder freireligiösen Ausrichtung der Weihnachtszeit begegnet, ist man auf eine meist in der Kindheit geprägte Weise, oder einer oftmals unerklärlich mitreißenden Art, in die Magie des vielfältigen Erscheinungsreigens des Festes einbezogen.
Gleich wie man der Weihnachtszeit begegnet, der Betrachter wird auf einen oftmals unerklärliche mitreißende Art, in die Magie des vielfältigen Erscheinungsreigens des Festes einbezogen.

In der heutigen, sich modern und fortschrittlich bezeichnenden Welt gerät der das Weihnachtsfest begleitende naturbezogene Aspekt im Lebenszyklus eines Menschen mehr und mehr in den Hintergrund oder verschwimmt in den Trugbildern einer technokratisch-hektischen, geldraffenden, im materiellen Denken versinkenden Welt.
Weihnachtsmythos – Die Geburt Jesu
Das Narrativ des christlichen Weihnachtsmythos beginnt mit der Geburt des Jesus von Nazareth an einem 25. Dezember in einer in einem Stall stehenden Krippe zu Bethlehem. Dies ist dogmatisch, weil alte kirchliche Urkunden bezeugen, dass der Nazarener einmal am 25. März, dann am 20. April oder dem 20. Mai geboren wurde; der Kirchenmann (vermutlich) Clemens von Alexandrien (*150 bis ? 215 n. d. Z.) legte den 18. November fest. Papst Julius (337 bis 352 n. d. Z. in diesem Amt) erklärte das in Rom am 25.12. zelebrierte Fest der Geburt des Sonnengottes Mithras zum Tag der Geburt Jesu.
Übrigens: Im Jahr des Konzils in Nicäa (325 n. d. Z.) wurde Weihnachten zum ersten Mal in einem christlichen Festverzeichnis aufgeführt.
Vorchristliche Sitten und Gebräuche
Die Menschheit der vorchristlichen Zeitrechnung orientierte sich am Lauf und Wandel der Jahreszeiten. Die Wintersonnenwende (der kürzeste Tag eines Jahres) war für die Völker das Startsignal, die jährliche Wiedergeburt der Sonne (der Sonnengottheiten) zu feiern.
J. v. Leer berichtet in seinem Buch „Weihnachtsbräuche und Weihnachtssymbolik“, dass „die Griechen die Geburt des Lichtgottes Goter (Retter), die Phrygier die Geburt des Sonnengottes Artis, die Syrer die des Licht- und Sonnengottes Thamuz“ zelebrierten. „Am 25. Dezember feierten die Iraner das Fest ihres Licht- und Sonnengottes Mithras, das auch in Rom Eingang fand.“
Mithras Geburtsfeier in Rom, die eine Woche dauerte und am 16. Dezember endete, wurde von Zeitgenossen auch als das Fest Saturnis benannt. Man schmauste an üppigen Tafeln, scherzte und schabernackte, tauschte Geschenke aus und sämtliche zwischenmenschlichen Streitigkeiten oder juristische Auseinandersetzungen ruhten.

Am 25. Dezember feierten die Iraner das Fest ihres Licht- und Sonnengottes Mithras, das auch in Rom Eingang fand.
J. v. Leer – Weihnachtsbräuche und Weihnachtssymbolik.
Der heidnische Norden
Die Ausbreitung des Christentums in den nordischen Ländern, die noch lange dem mit Spruch, Schwert und Feuer kommenden Christentum die Stirn boten, d. h., ihren Göttern bis in den oftmals durch die Christenheit herbeigeführten Tod treu blieben, war für die christlichen Prediger keine leicht zu erringende Übernahme. Die Chroniken berichten, dass eine nicht unerhebliche Anzahl „Missionsprediger nach hartem und mannhaftem Kampf ihr Grab unter Odins Eichen oder dem Ahorn fanden.“
Die Chroniken berichten, dass eine nicht unerhebliche Anzahl „Missionsprediger nach hartem und mannhaftem Kampf ihr Grab unter Odins Eichen oder dem Ahorn fanden.“

Die Atmosphäre der nordischen Hemisphäre gebiert eine lange Periode an Schnee, Kälte und Eis, deren Ende zum Jahreswechsel mit den zur Winter-Sonnenwende einhergehenden Ritualen der 12 Rauhnächte (25.12. – 06.01.) herbeigerufen wurde. In diese Zeit fällt das heidnische Julfest, das ursprünglich ein Toten- und Ahnengedenken war, aber auch den bevorstehenden Wandel von der Dunkelheit zum Licht beinhaltete, der von den Göttern begleitet wurde, weshalb sie zu Menschen hinabstiegen, Allvater Odin mit den „freien Mannen“ das mit Met gefüllte Horn leerte, während Göttermutter Fricka, die Schützerin des Hauswesens, prüfte, wie Küche und Keller bestellt waren; Frau Holle schüttelte die Betten, dass die (Schnee-)Flocken das weite Land bedeckten.
Die Christen kapern und korrumpieren die heidnische Mythologie
Um das Ende des Jahres 500 n. Chr. wurde im Kirchenkalender ‚Sacramentorium Gelasium‘ das Ende des Jahres mit der Geburt Jesus in die letzte Dezemberwoche gelegt, was darauf hinweist, dass die den nordischen Völkern entrissen heidnischen Rituale zum Jahreswechsel bereits teilweise vom Christentum einverleibt waren. Dies erklärt sich aus dem Umstand, dass das oftmals blutige Werk der Christen zur Unterwerfung der Heiden, um den noch vorhandenen Widerstand gegen die christlichen Missionare zu brechen, deren Rituale in die christliche Mystik transformierten.
Um das Jahr 600 n. d. Z. gab der römische Papst ‚Gregor’ seinen Priestern die Weisung, „dass man die Feste der Heiden allmählich in christliche umwandeln solle und in manchen Stücken nachahmen müsse.“ Von dieser päpstlichen Weisung war auch die heidnische Götterwelt betroffen:
Aus dem Allvater der nordischen Völker, Odin/Wodan, transformierten die Christen den ‚wilden’ Knecht Ruprecht, aus dem heroischen, strahlenden Heidengott Baldur wurde Jesus, aus der den Winter in den Frühling transformierenden Freya die Heilige Jungfrau.

